Was ist Blues? Was ist Country Blues?

Eine kurzer Überblick und Überlegungen zum Thema


Der Blues entstand Anfang des 20. Jahrhunderts in den Südstaaten der USA aus einer Verschmelzung afrikanischer und europäischer Musiktraditionen und -stile.  Die afrikanischen Elemente wurden von den aus Afrika eingeschleppten Sklaven in die neue Welt mitgebracht. Hauptmerkmale waren das stark ausgeprägte Gefühl für Rhythmus und die Verwendung von  blue notes beim Singen.  Die weißen Amerikaner waren meistens Nachkommen europäischer Einwanderer und entsprechend war ihre Musik: Walzer, Polkas, Volksmusik (Folk Music) unterschiedlichster Art und Klassik. Die schwarzen Musiker übernahmen vieles davon, mischten es mit ihrer eigenen Harmonik und Rhythmik und so entstand der Blues. 

Historisch gesehen wurde der Blues immer populärer, als nach 1920 sogenannte "race records" speziell für die schwarze Bevölkerungsschicht produziert wurden. Viele der ersten afro-amerikanischen Platten-Stars waren Blues Sänger.  Die ersten Blues-Stücke, die aufgenommen wurden, oft „klassischer Blues" genannt, waren jazzige Songs im „Vaudeville“ Stil, dargeboten von Sängerinnen wie Gertrude „Ma“ Rainey, Bessie Smith und anderen.  Diese Sängerinnen wurden oft von Pianisten, Gitarristen oder sogar kleinen Jazz Combos begleitet.

Mit
Country Blues bezeichnet man eine frühe Form des ländlichen Blues, auch traditioneller Blues oder Folk Blues genannt. Die ersten Plattenaufnahmen des Country Blues stammen aus der Mitte der 20-er Jahre. Es gab verschiedene regionale Stile des Country Blues, darunter den Delta Blues aus dem Mississippi Delta, Texas Blues und den Piedmont Blues der südlichen Ostküste. Country Blues wurde gewöhnlich von einem einzelnen Sänger (manchmal auch Sängerin) gespielt, der sich selbst auf der Gitarre oder dem Piano begleitete, manchmal mit einer Blues Harmonica oder einem einfachem Rhythmus-Instrument als Begleitung. Hawaii-Musik war in den 20ern überaus populär und inpirierte auch die Country Blues Gitarristen. Die Spielweise mit dem Flaschenhals oder Metallröhrchen (Slide Guitar) in offenen Gitarrenstimmungen wurde immer beliebter.

Viele diese Musiker hatten helle, durchdringende Stimmen. Blind Willie McTells Stimme klang bei seinen ersten Aufnahmen fast wie die einer Frau - das absolute Gegenteil von dem, was man in späteren Epochen als typische Bluesstimme bezeichnet hätte.
Einige der bekanntesten Country Blues Musiker: Charley Patton, Blind Lemon Jefferson, Papa Charlie Jackson, Blind Willie McTell, Blind Blake, Blind Boy Fuller,Robert Johnson und Memphis Minnie. Einen Sonderstatus hatte der aus New Orleans stammende Lonnie Johnson. Er machte viele Aufnahmen im Stil der Country Blues Sänger, war aber ebenso im Jazz zuhause und galt als der größte Gitarrenvirtuose seiner Zeit. Viele weiße Country-Musiker wie Jimmie Rogers und später Hank Williams übernahmen Stilelemente des  Country Blues.  

In den 1930-er Jahren kamen die Bluesmusiker zunehmend unter den Einfluß städtischen Kulturlebens, einschließlich populärer Musik und Jazz.  Es gab jetzt Bands mit Piano, Gitarre und Schlagzeug, obwohl der ländliche "downhome"- Ursprung der Musiker immer noch in der Musik präsent war. Die Hauptvertreter dieser Richtung waren u.a. Tampa Red, Big Bill Broonzy, Little Brother Montgomery, Leroy Carr & Scrapper Blackwell, Lonnie Johnson und Memphis Minnie.

Nach dem II.Weltkrieg wurden zunehmend elektrifizierte Instrumente verwendet. Besonders in Chicago, wo in den 50er Jahren die meisten Blues-Platten aufgenommen wurden, war die elektrisch verstärkte Mundharmonika äusserst populär. Blues aus dieser Epoche, wird oft "urban blues", "electric blues," oder einfach "Chicago Blues" genannt. Populäre Musiker dieser Epoche sind Muddy Waters, Little Walter, Elmore James, Howlin’ Wolf, T-Bone Walker und B. B. King.


Definitionen von Blues in der Literatur beziehen sich immer wieder auf das bekannte AAB-Textformat und das 12-taktige Schema. Es gibt jedoch - vor allem im frühen Country Blues - mindestens genau so viele Blues Songs, die nicht diesem Schema folgen.

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The only bars I know are the ones where I can drink / Die einzigen Bars (deutsch: Takte) sind die, in denen ich trinken kann” (Champion Jack Dupree).   
"Lightnin’ changes when he wants to change/Lightnin’ wechselt (Akkorde, Harmonien) wann ER will." (Lightnin' Hopkins).

Auch bei Blind Lemon Jefferson, Howlin’ Wolf, Big Bill Broonzy, Leroy Carr, Homesick James, John Lee Hooker, Robert Pete Williams, Frank Stokes, Blind Willie McTell etc. findet man zahlreiche Beispiele für Songs, die aus nur einem einzigen Akkord bestehen oder deren Strophen aus acht oder sechzehn Takten bestehen.

Offenbar gibt es ebenso viele Versuche, Blues zu definieren wie es Blues Musiker, Fans, Musikwissenschaftler und andere Experten gibt. Er kann im Hinblick auf seinen historischen oder sozialen Hintergrund, oder aus einer rein technischen oder persönlichen Perpektive betrachtet werden. Blues ist eine Mischung aus Stilen, Versen, Lauten und Emotionen.                                           

Blues ist eine Musik afro-amerikanischen Ursprungs, die stilistisch sehr vielfältig ist und mit der eine große Bandbreite von Emotionen ausgedrückt wird. "Feeling blue" wird ausgedrückt in Liedern, deren Verse Ungerechtigkeit beklagen oder Sehnsucht ausdrücken nach einem besseren Leben, einer vergangenen Liebe, einem verlorenen Arbeitsplatz, Geld oder Alkohol. Tatsächlich kann man durch das Spielen oder Hören von Blues immer wieder die eigene Traurigkeit oder Deprimiertheit überwinden. Blues ist aber auch eine urwüchsige Tanzmusik, erfüllt von Freude und Lust.


"Blues is a natural fact, is something that a fellow lives. If you don’t live it, you don’t have it…..Young people have forgotten to cry the blues. Now they talk and get lawyers and things." “Blues ist eine natürliche Tatsache, etwas, dass ein Mann lebt … Wenn du ihn nicht lebst, dann hast du ihn nicht.…Junge Menschen haben vergessen, mit dem Blues zu weinen, aufzuschreien..  Heutzutage reden sie und wenden sich an Rechtsanwälte“ (Big Bill Broonzy)

"The blues is in my blood, you know? I can’t play, can’t sing nothin’ else. And I don’t want to,’ cause the blues is for me. It’s like a shoe,...you take a number seven shoe you sure can’t wear a size four. You wear the one that fits. The blues fit me / Ich habe den Blues im Blut. Ich kann nichts anderes spielen und singen, und ich will es auch nicht, denn der Blues ist das Richtige für mich.  Es ist wie bei einem Schuh …wenn man die Größe Nummer 7 hat kann man keine Größe Nummer 4 tragen.  Der Blues passt zu mir.” (Muddy Waters in "Jazz Monthly", Jan 1959. Quoted in "Blues Off The Record". Ibid. p.261.)

"Everybody who don’t have the Blues has got a hole in his soul / Jeder, der den Blues nicht hat, hat ein Loch in seiner Seele.” (James " Yank " Rachell)


siehe auch: Center for Black Music Research, Columbia College, Chicago